Zum Schwob

Meine Erfahrungen mit dem Internetwahnsinn

Delegieren, um ein Problem zu lösen

Die Tage bin ich von einer Bekannten, deren Webseite ich auf meiner Schwabenseite verlinken wollte, darauf aufmerksam gemacht worden, dass unsere Seite nicht über eine sichere Verbindung, ein sogenanntes SSL-Zertifikat, verfügt.

Vom Grundsatz her bin ich ein Mensch, der eine gewisse Ordnung für sein Leben und dem Umfeld, in dem ich mich bewege, zu schätzen weiß. Ergo habe ich mich mit dem Problem "SSL-Zertifikat" in unterschiedlichen Foren und Blogs informiert. Mag es wohl an meinem IQ liegen oder erschreckender Weise an meinem fortgeschrittenen Alter, ich hatte bereits am ersten Abend einen rauchenden Kopf.

Da der Schwabe an sich bereits seit seiner Geburt über unterschiedliche Fachkompetenzen verfügt, habe ich mir meinen Fundus an Kompetenz näher vor Augen geführt. Ich wurde mir sehr schnell meiner Kompetenz zum Delegieren bewusst. Logische Konsequenz: Schatz (meine Frau) dätsch Du mol!

Da ich/wir mehrere Webseiten unterhalten, wobei meine Frau die "wichtigeren" pflegt, war sie nicht abgeneigt, sich dem Thema schnellstmöglich anzunehmen. In weiser Vorausschau habe ich ihr lediglich die Hälfte jener Informationen zugetragen, die mir durch stundenlange Recherchen im Netz bereits bekannt waren. Man sagt, dass wenn ein Problem zu groß erscheint, mit der Steigerung der Größe des Problems, proportional gleich die Ablehnungshaltung zur Lösung des Problems steigt. Von daher erschien es mir richtig, das von mir eingegrenzte Problem in seiner Dimension relativ gering darzustellen, um die von meiner Frau signalisierten Motivation nicht unnötig negativ zu beeinflussen.

Für ein Hessenmädchen sind die Nächte so lang wie für einen in der Nacht schlafenden Schwabe. Ich musste am nächsten Morgen mit ein wenig Unbehagen feststellen, dass für mein Mädchen die Nacht anders gelaufen ist, wie für mich. Ich für meinen Teil habe, sofern ich mich nebelhaft erinnern kann, wieder auf schwäbisch geträumt und zum Sägen kurz den Wald besucht. Für mich konnte ein neuer Tag mit freudigen Ereignissen und liebgewonnen Zeitfüller beginnen.

Meine Frau hingegen saß am Morgen mit quaderförmig erröteten Augen und noch schwer gesenkten Lidern vor ihrer Kaffeetasse. Mitfühlend habe ich mich still zu diesem Elend gesellt und ein nur uns liebenden Ehemännern vorbehaltenes Gesicht des Mitleids aufgesetzt. Es bedurf mehr als 15 Minuten und einem zweiten Aufguss der Kaffeetasse, bis sich langsam der von mir so erotisch sinnlich anzuschauende zarte Teint im Gesicht meiner mir gegenüber sitzenden Morgenblüte ausgebreitet hat. Ich dachte nun, dass dieser Tag zu einem harmonischen Erlebniszenit zwischen Eheleuten werden könnte. I han me glaub g`irrt! Zumindest seit diesem Morgen kann ich den Sinn einer klugen Weisheit meiner Oma besser verstehen. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Ich war mir nicht bewusst, dass ein kleiner Satz am Frühstückstisch zu einem falsch eingeschätzten Problem eine solche Dramaturgie auslösen kann, wie ich es die nächsten Stunden erleben durfte: Ich hab lediglich mit meiner Nickelbrille über den Tassenrand schauend eine kleine Floskel als Ansporn zur Themenfindung unseres Problems der Verschlüsselung unserer Webseiten anbringen wollen: "Schatz, wie fruchtbar war Deine Nacht im Netz ... ich kenne Jungs, die nächtelang im Netz unterwegs sind und morgens motivierter an der Kaffeetasse nuckeln als Du ... was hosch denn Mädle?".

Meine Frau hat, die auf ihre 2., 3. und 4. Tasse Kaffee folgenden zwei Stunden ein Kanon an Nettigkeiten, Flüche, Disharmonien und dramaturgische Schuldzuweisungen abgelassen. Wenn man die hohen Töne, die sie aus ihrem zarten Körper herausgelassen hat, als musikalische Begleitung zu einer Untergangsoper bezeichnet, liegt man nicht verkehrt. Der Begleitchor zu diesem Drama konnte man im raumausgreifenden Aufzeigen ehelicher Eingrenzungen und drohenden Verbannungen aus gewissen Ruheräumen ableiten. Ich gestehe, dass mir mit fortschreitendem Szenenbilder dieses Dramas bewusst wurde, dass meine Nacht weit ruhiger verlief als die meiner Frau.

Im Laufe des Tages saß ich brav wie ein begossener Pudel in Hör- und Sichtweite meiner Frau und habe, so oft es mir und meiner Gesichtsmuskulatur möglich war, das gesamte Szenario von My Fair Lady auf mein Gesicht gezogen. Gegen Nachmittag hat sich auch das Zucken im Bereich der Augenlider wieder auf ein Normalmaß reduziert. Soweit ich es aus nächster Nähe bewerten konnte (ich hab Ihr stets den Kaffee leicht beugend über Ihre Schulter auf den Schreibtisch gestellt), hat sich auch ihre anfängliche Schnappatmung mit fortschreitender Tageszeit in eine tiefe Bauchatmung eingependelt.

An diesem Tage war ich selbstverständlich im Dauereinsatz zwischen meinem Arbeitsplatz und dem Schreibtisch meiner Frau. Sie hat für sich beschlossen, mich vertiefend in die Analyse und Lösung des Problems einzubinden. Was soll ich sagen? Der Zeitpunkt war, wie ich fand, sehr unglücklich gewählt. Eigentlich fand ich nie so richtig den Zugang zu dem was meine Frau so macht und ihrem mir aufgezeigten Fortschritt, näher an einem SSL-Zertifikat zu sein. Ich persönlich empfand eine andere Einschätzung zu jener Entfernung zwischen dem angestrebten Zertifikat und meiner Webseite, als sie. Sie hat über den Tag, bis hin in die späte Nachtstunde (oder war es bereits Morgenstunde) immer wieder davon geschwärmt, wie nahe Sie jetzt einem Zertifikat sei.

Ich habe nach den morgendlichen Erfahrungen für mich auf brutalste und einsamste Weise beschlossen, ihr nichts von meiner abweichenden Entfernungseinschätzung zum angestrebten Ziel zu sagen. In dieser Angelegenheit habe ich mich auf den uns Männern genetischen vorbehaltenen Vorteil besonnen, dass unser Tun und Walten nicht durch überflüssiges Wortabgabe begleitet sein muss. Man ist als Schwabe durchaus befähigt, nach einem solch erlebnisreichen Morgen, der bereits zu genüge mit von seiner Frau nicht enden wollenden Worthülsen begleitet war, dazu zu lernen. No halt i fei mei Gosch zu dem Zeig.

Darüber hinaus wurde mir aus der erlebnisreichen Nacht meiner Frau und der daraus folgenden Disharmonie bewusst, dass ein Problem, welches man eigentlich an sein angeheiratetes Fachpersonal delegiert hat, zu einem für sich selbst schier unlösbaren Problem werden kann.

Was lernt man als Schwabe daraus?
Wenn i nomal so a bleds Glumbig mit meim Computer oder mit em Grasdackel von Googele zu macha han, aber net macha well, no geb es an dem Dag meim Weib zu erlediga ab, wenn i eh bei meim Bruader en Schturgert ben. No hot mei Frau am Kaffeedisch de Zeit, sich am Morga zom regeneriera und i han de zeit, in Frieda am Vorobend no drei Viertele Trollinger zum schloza ond an Zwiebelroschtbroda mir en d Maga na zom zwenge. Do druff koscht als Schwob fei saumäßig guad schlofa. Ond wenn alles am nächschte Dag gschafft isch, mei Roschtbroda aus em Darm raus zwengt isch ond mei Weib mit ihram kloina Problem fertig wär, dann wärs an d`Zeit, hoim zom fahra. Grad recht zom Veschber mit oim Kruag Moscht. So funktioniert delegieren auf schwäbisch!

Bis die Tage ...
Euer Schwob


Ich habe mir nach meinen Erfahrungen mit den SSL-Verschlüsselungen unserer Webseiten den Spaß gemacht, Zitate und Nettigkeiten in Bezug des Internets und jenem Zeitaufwand, der mit einer notwendigen Problemlösung im Netz und am PC einhergeht, zusammen zu tragen. Ich finde die Ergebnisse recht unterhaltsam.

Für mich habe ich beschlossen, künftig eine Weisheit an meinem PC (Laptop) zielführend umzusetzen: Wenn du nicht weißt, was du tust, mach's wenigstens mit Eleganz.

  • Speicherst Du eine für Dich wichtige Datei in einem Ordner, und Du merkst dir genau, welchen Inhalt Deine Datei hat die Du in diesem Ordner gespeichert hast, vergisst Du nach kürzester Zeit mit aller Wahrscheinlichkeit den Speicherort Deines Ordners
  • Eine Fehlermeldung ist das hinterhältigste Szenario, das Dir Dein Computer beim Morgenkaffee antun kann.
  • Je größer Dein Programmiervorhaben an Deiner Webseite ist, um so später werden von Dir grundlegende Ablauffehler entdeckt
  • Die ersten 90% eines neu heruntergeladenen Anwenderprogramms benötigen zur verständlichen Nutzung 10% Deiner Zeit. Hingegen benötigen die letzten 10% der von Dir gewollten Anwendungen die verleibenden 90% Deiner Zeit.
  • Jede Aufgabe die Du Dir am PC und im Netz vornimmst, benötigt doppelt so viel Zeit wie Du eigentlich dafür vorgesehen hast. Verdoppels Du in weiser Voraussicht Deine Zeit zur Lösung der Aufgabe, dauert der Weg dahin viermal so lang
  • Die gestapelten Fehlermeldungen eines Programms sollten bereits durch die Programmierer reproduzierbar eingerichtet sein. Sie sollten alle auf die gleiche Art und Funktionalität danebengehen.
  • Glücklich sind jene Nutzer von Microsoft-Anwenderprogramme, die bereits bei der Installation dieser Programme kein nutzerorientiertes Handling erwarten. Sie werden im Umgang mit den Programmen nicht enttäuscht.
  • Innerhalb eines jeden komplexen und unbrauchbaren Programms ist eine nützliche Routine eingebaut.
  • Eine vom Verkehrsministerium gestellte Aufgabe zur Analyse des öffentlichen Nahverkehrs an drei unterschiedliche Fakultäten: Ein leerer Bus kommt an eine Haltestelle, zehn Fahrgäste steigen ein. An der nächsten Haltestelle steigen elf Menschen aus, und der Bus fährt weiter. Drei Fachkompetenzen kommentieren die Aufgabenstellung in gewohnt analytischer Präzission. Der Biologe: „Ganz einfach! Die Fahrgäste haben sich vermehrt". Der Physiker: „Zehn Prozent Messtoleranz müssen immer drin sein". Der Informatiker: „Wenn jetzt einer einsteigt, ist der Bus leer".
  • Vor kurzem kam das Gerücht auf, dass Bill Gates erneut Nachwuchs erwartet.Warum muß es sich dabei um ein unwahres Gerücht handeln? – Weil es das erste mal wäre, dass aus dem Hause Microsoft innerhalb von neuen Monaten etwas heraus käme, was Hand und Fuß hätte und mit Lust und Liebe gemacht wurde!
  • Stoßgebet an mein Laptop: Vater Gates, der Du bist auf der Festplatte, geheiligt sei Dein Windows. Dein Update komme, Dein Bugfix geschehe, wie in Windows also auch in Office. Unser täglich MSN gib uns heute und vergib uns unsere Raubkopie, so wie wir vergeben unserer Telekom. Und führe uns nicht zu IBM, sondern erlöse uns von OS/2. Denn Dein ist das DOS und das Windows und NT. In Ewigkeit: Error.



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