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Die Kehrwoche

Die Kehrwoche

Die württembergische Kehrwoche hat ihre Entstehung gleich mehreren Erlassen, die seit Ende des 15. Jahrhunderts herausgekommen sind, zu verdanken. Die Kehrwoche wurde eingeführt, um insbesondere den Schwaben … und hierzu explizit seine Gattin … zur Ordnung und Sauberkeit im häuslichen Umfeld anzuhalten.

So stand bereits 1492 auszugsweise im Stuttgarter Stadtrecht:
„Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinausführen, (...) jeder seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen anlegen. Wer kein eigenes Sprechhaus (WC) hat, muss den Unrath jede Nacht an den Bach tragen“.

Die schwäbische Kehrwoche hat eine mindestens 300 Jahre alte Tradition. 1714 erließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg für die Stuttgarter die "Gassenreinigungs-Ordnung". Heute noch finden sich in vielen Haushalten Baden-Württembergs die Regeln zur "Kehrwoche" im Mietvertrag. Streng genommen gliedert sich die Kehrwoche in eine „kleine“ und eine „große“ Kehrwoche.

In Mehrfamilienhäusern (mit mindestens 2 Mietwohnungen auf gleichen Etagen) beinhaltet die kleine Kehrwoche den Putzplan vom Eingangsbereich der Wohnungstür (mit Einbeziehung des Fußabtreters) bis hinunter zur letzten Treppenstufe der nächst gelegenen Mietetage. Die Kehrwoche wechselt auf der jeweils gleichen Etage zum Sonntag einer Kehrwoche und gilt bis zum darauffolgenden Samstag. Die „große“ Kehrwoche regelt auch den „Gassen- & Winterdienst“ auf Gehwegen und Straßenseite.

Mol ehrlich, i find an d`r Kehrwoch nix dummes dro: Die Kehrwoche isch sinnvoll und wird von mir nach Kräften an meine Frau in Auftrag gegeben. Meine Frau hat mir sodann dafür Sorge zu tragen, als dass mir koine Klaga komma. Denn ois isch sicher … da Sinn oiner Kehrwoche liegt weniger in moim öffentlicha Sauberkeitswahn, sondern vielmehr im g`sehe werda. Moi Weib mit Bäsa, Kudderschauffl ond Kehrwisch. No ko dia Nachbarschaft Goscha halda, mer han sauber ums Haus rum, sollad doch dia andre ihran Dregg vor d`r eigana Hausdür kehra.

Übersetzt: Wir sind ein Vorbild in der Nachbarschaft für Sauberkeit und Ordnung. Man kann sich an uns orientieren. Gut, mein Nachbar Hans macht die Kehrwoche genauso ordentlich, aber ich bin halt schlauer als mein Berliner Nachbar, ich lasse kehren.

Und zum guten Schluss:
Auszug aus der Südwest Presse Nr. 39 vom 17. Februar 1998: Die Kehrwoche kennt keinen Scherz

Bei der Kehrwoche verstehen Schwaben keinen Spaß. Das musste jetzt Klaus-Peter Hartmann, Leiter der Volkshochschule (VHS) Calw, erfahren. Der gebürtige Schwabe hatte einen "Kehrwochen-Kompaktkurs" für den 1. April 1998 in das VHS-Veranstaltungsangebot aufgenommen. Bei diesem Datum, dachte er, würde niemand reagieren. Die "Kehrwoche für Nichtschwaben" fand aber solchen Anklang, dass aus dem Aprilscherz nun Ernst wird, wenn auch in etwas abgewandelter Form.

Mit dem erstmals ausgeschriebenen Kompaktkurs würden auch Nichtschwaben mit keinen oder nur geringen Vorkenntnissen in die Kunst der Kehrwoche eingeführt, erläuterte das VHS-Programmheft den Kurs. Das Vertrautwerden mit diesem einheimischen Brauchtum helfe, sich schnell im Schwabenland zu integrieren. Der Kurs biete nach einer mehr theoretischen Einführung in die "historisch- soziologische Bedeutung" der Kehrwoche auch praktische Übungen. So würden Materialkunde (Besen, Schrubber, Kehrblech-Konstruktion) und das Erlernen der wesentlichen Griff-, Halte-, Schwung- und Schrubbtechniken gelehrt. Am Ende des Kurses sollten die Teilnehmenden in der Lage sein, selbständig ein Stück Straße zu kehren, hieß es. Die Teilnehmer müssten Kopftuch, Kittelschürze und - für Griffübungen - ein Rundholz von etwa drei Zentimeter Durchmesser und mindestens einem Meter Länge mitbringen. Die Kursdauer war mit fünf Mal drei Stunden veranschlagt, als Gebühr sollten 135 Mark entrichtet werden.

Obgleich mit dieser Beschreibung das VHS-Angebot durchaus als Scherz erkennbar schien, gingen in kurzer Zeit fast 100 ernst gemeinte Anmeldungen ein. Darunter waren drei benachbarte Ortsverwaltungen, die ihren Mitarbeitern den letzten Schliff fürs Straßenfegen vermitteln wollten. Eine Calwerin meldete ihren Ehemann an, damit so endlich dessen "Putzdefizite" behoben würden. Neben weiteren Einzelpersonen - meist aus dem Landkreis Calw - meldete sich geschlossen eine 35köpfige Besuchergruppe aus England an, die um den 1. April herum den Nachbarkreis Böblingen bereist. Bei so viel Nachfrage musste VHS-Chef Hartmann gestern einfach kapitulieren.

Ich hoffe Ihr hattet Spaß an dieser Lektüre.

Bis die Tage...
Euer Schwob

So funktioniert die Kehrwoche


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