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... oder wie ich pflege, Krisen zu meistern

Krise ...


In der Tagesschau: Krise / Im Zweiten (mit dem man besser sieht): Krise / In den einschlägigen Wirtschaftspublikationen: Krise / Im Internet: Krise … und im Kopf??

Man kann es bald nicht mehr aushalten. Ich persönlich finde, dass das Wort „Krise“ zum Unwort des Jahres 2015 taugt. Jeder benutzt es, viele halten daran fest … und manchem nutzt es. Langsam wird es ein Teufelskreis, der jeden und alles ansteckt.

Lassen Sie mich ein wenig aus dem Nähkästchen eines Koches erzählen. Ich pflege von Zeit zu Zeit ganz privat für Freunde zu kochen. Das Kochen selbst entspannt, weckt die Kreativität und spricht mit den entstehenden Gerüchen alle Sinne an. Es macht Freude, Freunde zu bewirten um ihnen auf eine ganz besondere Weise zu zeigen, dass man sie schätzt. Es ist für mich ein ganz besonderer Genuss, ganz intime Momente, wie das Essen, mit ihnen zu teilen.

Doch kürzlich war es anderes; zumindest bis kurz nach dem Hauptgang. Bei der Vorspeise war seliges Erwarten und die Welt noch in Ordnung:

Klare Brühe mit Maultaschen. Leicht gesudet und verfeinert mit frisch geriebenem Parmesello (den Parmesello erst kurz vor dem Anrichten auf die Brühe geben, damit er seinen Geschmack nicht in der kochenden Brühe verliert).

Es schien, als sei die Vorspeise wieder der Beginn einer sehr entspannten Atmosphäre. Der zur Suppe gereichte Hermanos Lurton Rueda Blanco tat sein Übriges, um den Geist anzuregen. Die Gespräche fanden abwechselnd, angeregt und mit heiterem Lächeln in den Gesichtern statt.

Beim zweiten Gang war ich selbst etwas skeptisch und zaghaft. Das lag aber an meiner etwas eigensinnigen Interpretation eines Salates.

Ein Radicchio Rosso di Verona mit etwas grünem Saisonsalat gestreckt. Dazu eine feinmilde Olivenölmarinade mit einem Hauch feiner Weinhefe. Diesen Salat umschmeichelte auf dem Teller edle Mischpilze, welche kurz in Kräuter und Pfeffer ausgebacken und mit Sahne ausgeschmort wurden.

Jetzt! Waren es die Pilze, oder war es doch der verwegene Einfall, mit einer Ölmarinade Weinhefe zu vermengen? Jetzt kam dieses Wort zum ersten Mal über den Tisch geflogen. Krise (Flüchtlingskrise)

Als ehemaliger Bundeswehrsoldat kannte ich die Gesetze von Tarnen und Täuschen. Ich bin sofort in die Küche abgetaucht, um dem Hauptgang den letzten Schliff zu geben. Aber ich hatte schon so meine Befürchtungen. Wenn bereits der Salat zu solchen Themenabstürzen führt, was richtet dann erst mein jetziger Versuch an, Lende einmal nordisch zu servieren. Ich will es kurz machen:

200 Gr. Lachsfilet in einer Grundsauce aus Tomaten lange auskochen. Mit Kräutern und Sahne abschmecken. Danach die Sauce sieben. ... Die Lende scharf anbraten, auf den leicht rosa Punkt ausschmoren lassen und auf blanchiertem Blattspinat mit fein gewürfelten Metzgerzwiebeln (die Zwiebeln zuvor 3 Stunden marinieren) anrichten. ... Dazu breite (aber wirklich breite) Bandnudeln servieren. Das Gericht auf dem Teller nur mit sehr wenig Sauce ausgarnieren. Es ist nun spannend, wie die Gäste auf diese Zusammenstellung reagieren. Als Beilagengemüse hatte ich mich für leicht kandierte Möhren entschieden.

In meinem Übermut an Waghalsigkeit hatte ich zum Hauptgang einen Nacker Spätburgunder (Der Winzer ist, wie ich, Schwabe) gereicht. Ich war erstaunt. Die Sauce: weg - die Möhren; weg - und vom Blattspinat blieb auch nichts übrig. Einhelliger Tenor: Eine gewagte Zusammenstellung, aber harmonisch auf der Gabel.

Jetzt dachte ich, dass der Abend so richtig entspannt verläuft. Ein paar Geschichten und Neuigkeiten über die Familie, die Themenpalette um die Hobbys, eine spannende Anekdote um abzuschalten und danach der obligatorische Geschlechterkampf - Frauen sind doch die besseren Männer und wir Männer die besseren Autofahrer.

Und doch war es wieder da; dieses Unwort. Krise

Es hat nun auch unseren intimsten Zirkel erreicht. Die Privatsphäre. Den geschützten Raum zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Krise verändert die Menschen. Früher hätte ich in Punkto Veränderung und Angst den Film eines genialen Mannes (Rainer Werner Fassbinder) zitiert: Angst essen Seelen auf. Nun bin ich geneigt, dass das Leben selbst die schlechtesten Filme schreibt: Krisen essen Seelen auf. Ich habe es noch einmal hin bekommen. Mit meinem abschließenden Dessert:

Eine leicht gefrostete Karamell-Creme, überlaufen mit Aprikosenmouse und im Glas schichtweise mit Vanilleeis dekoriert. Dazu ein frisch gebrühter Kaffee.


Die Gemüter sind wieder auf Normaltemperatur gesunken. Warum ich mein 4-Gänge-Menü in Zeiten dieser Krisenszenarien ins Spiel bringe? Ich möchte Ihnen, liebe Besucher meiner Webseite, aber auch meinen Gästen aufzeigen, dass es einen Ansatz gibt, der Krise zu begegnen. Versuchen Sie, aus dem Teufelskreis Überarbeitung und den Schreckgespenstern der Medien und Publikationen auszubrechen. Sollten auch Sie in einer Krise gefangen sein, Ihr Unternehmen im Sog einer Krisensituation straucheln oder der Bänker bei der Umfinanzierung des zu groß geratenen Einfamilienhaus bereits das Wort „5 vor 12“ benutzt, dann lehnen Sie sich erst mal zurück.

Nehmen Sie sich Zeit, kreativ zu sein. Gönnen Sie sich zumindest ein bis zwei Stunden pro Woche, um neue Ideen zu entwickeln. Kochen Sie, nehmen Sie Ihre Frau zur Seite, und laden Sie gute Freunde ein. Es hilft wenig, sich in den Medien mit den weltlichen Krisen zu identifizieren und stets nach Weltverbesserungen nachzudenken. Man muss sich auch von Zeit zu Zeit zurücknehmen um sich nicht komplett von den Krisen dieser Welt vereinnahmen zu lassen.

Trotzen Sie den Krisen mit neuen Inspirationen am Herd und Gaumen. Lassen Sie von Zeit zu Zeit los und kehren Sie ganz tief in sich zurück. Entdecken Sie im wahrsten Sinne des Wortes „Ihr Bauchgefühl“ wieder. Sie werden erstaunt sein, wie viel an Energie und Vielfalt in Ihnen steckt, um sich am Herd jeder Krise von außen zu stellen. Wenn es Ihnen dann noch gelingt, Vielfalt und Kreativität in den Kochtopf zu bringen, das vielleicht auch etwas in seiner Zusammenstellung gewagt ist, dann kann noch viel an positivem mit der Familie und guten Freunden in geselliger Runde bewegt werden.

Krisen waren Gestern … Heute bewegen uns „Bauchgefühl“ und Freundschaft. Ach so, zum Kaffee passt als Abschluss ein Grappa di Vin Santo Reserva (mit edlen 42%).

Bis die Tage ...
Euer Schwob


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