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Meine Frau als Beifahrerin

Ich hab eine Beifahrerin

… meine Frau!

Gleich vorweg; ich liebe meine Frau, ihre feminine Art, wie sie mir den Tag verschönert und die Nacht versüßt. Ihre Fähigkeit, mich von den alltäglich kleinen Dingen des Lebens fernzuhalten und mich stets mit einem Lächeln zu empfangen. Meine Frau ist der Sonnenschein in meinem Leben und der schillernde Nordstern in meinen Nächten. Ihr gebührt die alleinige Herrschaft über Heim und Herd. … aber:

Es gibt etwas, das ich fürchte wie der Teufel das Weihwasser … meine Frau im Auto. Nein, nicht als exzellente Fahrerin, die sogar mein Auto rückwärts in die Garage einparkt, ohne ein Hauch von Kratzer zu produzieren. Als Beifahrerin zeigt sie mir, wie tief die Abgründe zur Hölle sind.

Sie, die beim Fahren den Blinker erst als Vollzugs-meldung nach erfolgreichem Abbiegeeinsatz sieht, ist auf dem Beifahrersitz eine gebetsmühlenartige Fuchtel, die - obwohl bis zum Nordpol kein Gegenverkehr in Sicht ist, und hinter mir verwaistes Land herrscht – sich zu einem Pedant in punkto Blinker mutiert.

Bereits beim Anfahren verzerren nachfolgende Beifahreranweisungen das Bild, das ich von dieser Frau im Herzen trage.
„ … Wenn man aus dem Kreisverkehr herausfährt, setzt man üblicherweise den Blinker
… Im Straßenverkehr signalisiert der Blinker den anderen Teilnehmern Deine gewollte Fahrtrichtung
… der Blinker darf auch ohne meine Auffor-derung an der nächsten Abbiegespur von Dir benutzt werden
… in weiser Voraussicht Deines Geldbeutels darf ich Dir mitteilen, dass der gesetzlich vorgeschriebene Gebrauch des Blinkers nicht mit einem erhöhten Benzinverbrauches einher- geht“

Das sind dann jene Momente, wo man sich als Mann einmal im Leben wünscht, mit dieser Frau in der Wüste Gobi zum Shoppen zu sein. Da würde es Sinn machen, diese wissensteilende Beifahrerin aussteigen zu lassen, um sich an diesem „einen“ Schaufenster ihre seit langem ersehnten Schuhe anschauen zu lassen … um, noch bevor sie sich umdreht, nur einmal, aber auch wirklich nur einmal, den BLINKER zu nutzen! ... Leute, die Wüste ist groß … und es bleibt mir viel Zeit, ohne Beifahrerin zurück nach Hause zu fahren …

Eigentlich sollte es doch für eine durchaus mit Wissen und Verstand ausgestattete Frau, wie die meine, immerhin verfügt sie über das Große Latinum, nichts leichter sein, als still (im wahrsten Sinne des Wortes) auf ihrem durchaus verlockendem Hinterteil zu sitzen. Immerhin darf meine Frau sich fühlen, wie unsere regierende Kanzlerin, da sie gleichfalls sanft chauffiert wird.

Aber, sie kann es einfach nicht. Sie gibt mir z. B. bereits 8 Kilometer vor der nächsten zu erwartenden Baustelle vorauseilende Anweisungen, dass ich mich nunmehr auf die rechte Fahrspur begeben solle … selbstverständlich unter Nutzung des Blinkers … obwohl sich vor mir nur noch ein Schwertransporter befindet, der sich mit 48 Km/h den Eichelberg hinaufquält. Ich hätte ihn, mit der entsprechend geübten Fahrweise „ohne meine Frau“, in 95 Meter überholt, aber dann hätte ich auch gleich auf der Autobahn drehen können, denn danach wäre es ein Höllenritt geworden. Diese 95 Meter hätten ausgereicht, um in der Liebesbeziehung zu meiner Frau mein Leben zu verändern. Jeden Meter, den ich gebraucht hätte, um diesen Transporter zu überholen, hätte ich mit 95 verschiedenen Mordgedanken im Kopf meiner Frau geteilt. Seitdem reift der Gedanke in mir, dass meine Frau gar nicht „stillsitzen“ kann, weil sie als Beifahrerin urplötzlich an unheilbaren Hämorrhoiden leidet, die just 8 Kilometer vor Autobahnbaustellen zu jucken beginnen.

Worüber beklagt sich meine Frau auf dem Beifahrersitz?
Wenn ich es mir recht überlege, bereits über den Beginn der Fahrt als solches. Selbst über das Maskuline meines Fahrstils. Im echten Leben, also nicht in dem Inneren eines Autos, sondern dort, wo ein harmonisches Miteinander mit Ihr möglich ist, schätzt sie meine Art und Muskeln. Fasse ich jedoch das Lenkrad an, verändern sich in Millisekunden ihre Werte zu mir.

Sie hat bereits damit Probleme, dass ich, ohne in den Rückspiegel zu schauen, aus unserer Garage komme. Das nennt sie … sich mit einer gewissen Aggression in den Verkehr einbringen. „Schatz“, es macht bei 2 Außenspiegeln wenig Sinn, in den Rückspiegel zu schauen; zumal ich vorher um das Auto gelaufen bin, um sicher zu sein, dass der Rottweiler vom Nachbarn nicht unterm Auto mit dem Dackel vom Pfarrer spielt.

Manchmal, so ist zumindest der Eindruck von meiner „Beifahrerin“, dass meine Frau einen erhöhten Neid zur Beziehung zwischen mir und meinem Auto hegt. Ich denke, dass sie sich nur deshalb über meinen Fahrstil so negativ auslässt, weil sie auf die Art und Weise, -und der als fast schon verschworene Einheit zu bezeichnende Vertrautheit, wie ich mit meinem Auto umgehe-, neidisch ist … ich neige dazu zu behaupten, dass Sie mein Auto als Rivalin sieht.

Mein Auto hat ein, aus der Sicht meiner Frau, nicht hinzunehmendes, konstruktives Defizit. Es fehlt die Bremse an der Beifahrerseite. Bereits beim Schalten vom 2. in den 3. Gang beobachte ich das erste Zucken an den Beinen meiner Frau. Lustig finde ich, dass sie nicht weiß, ob sie mit dem rechten oder linken Fuß bremsen soll. Sie ist ja in gewisser Weise ungeübt als Bremserin, da es ja kein Pedal gibt, an dem sie sich orientieren kann. Also, was tut sie? … das Bodenblech meines Autos mit beiden Beinen bis an die Belastungs-grenze auszutesten.

Ich unterstelle, dass dieses Verhalten von meiner Frau den Konstrukteuren meines Autos bekannt sein musste. Es ist zu vermuten, dass sie die Beifahrerseite meines Autos mit einem 2. Bodenblech belastbarer ausgestattet haben. Anders wäre es unmöglich, dass mein Auto die Fahrt an den Bodensee ohne ein „Loch“ im vermuteten Radius der theoretisch vorhandenen Bremsen überstehen wird. Wenn ich jedoch den Anekdoten meiner Freunde Glauben schenken kann, darf generelles Versteifen der Beifahrerseite unterstellt werden, da diese über die gleichen Verhaltensmuster „Ihrer“ Frauen berichten.

Ich neige zu unterstellen, dass meine Frau als Beifahrerin versucht, über schier endlose Instruktionen,
- … die Ampel wird gelb und dann gleich rot
- … pass auf den Fahrradfahrer auf,
- … die Ampel war rot (obwohl erst dunkelgrün)
- … schau doch mal auf die Tankanzeige
- … hast Du den Luftdruck geprüft
sich den Status eines Copiloten anzueignen. Leider übersieht sie beim Einsteigen auf den Beifahrersitz, dass es sich weder um einen Airbus, noch um eine Cessna handelt, sondern um mein Auto.

Hier bin ich der Kapitän der Landstraße. Das ist mein Ort, an dem ich sein darf wie ich bin. 2 Millionen Kilometer ohne Unfall müssten doch ausreichen, meine Frau davon zu überzeugen, dass das Auto in dem sie jetzt sitzt, sie sicher ans Ziel bringt.

… aber, überzeug mal Deine Frau!

Bis die Tage ...
Euer Schwob

Fairness

Zur Fairness gehört aber auch, dass die Männer nicht viel besser sind. Beim Betrachten des Beweises wünsche ich Euch viel Spaß.

Frau am Steuer


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